Das Bild im Kopf
Stell dir vor, ein Handwerksbetrieb zeigt seinen Jahresgewinn – aber zieht erst mal ab: die Abschreibung auf eine neue Maschine, das Aktienpaket, das er dem Meister gab, und die einmaligen Kosten für den Umzug. Was übrig bleibt, nennt er “bereinigter Gewinn”. Non-GAAP ist genau das: Das Unternehmen streicht Posten heraus, die es für “verzerrend” hält – und präsentiert, was es für das “echte” operative Bild hält.
Was es misst
Non-GAAP-Kennzahlen sind Finanzzahlen, die bewusst von den offiziellen Rechnungslegungsstandards (Generally Accepted Accounting Principles) abweichen. Ein Unternehmen definiert seine eigene Bereinigungslogik und schließt typischerweise aus: Stock-Based Compensation (SBC), Amortisation erworbener Intangibles, Restrukturierungskosten und einmalige Sonderposten. Non-GAAP EPS = (GAAP Net Income + ausgeschlossene Posten) / Aktienanzahl. Jedes Unternehmen definiert seine Bereinigung selbst – es gibt keinen Standard.
Was sagt mir die Zahl?
| Signal | Bedeutung |
|---|---|
| Non-GAAP EPS > GAAP EPS | Immer der Fall – der Abstand zeigt, wie viel “bereinigt” wurde |
| Hohe SBC-Bereinigung | Talent ist teuer und verwässert Aktionäre – Non-GAAP versteckt das |
| Forward P/E (non-GAAP) 35–45x | Typische Bewertungsrange für hochmargige SaaS-Wachstumswerte |
| Schrumpfender GAAP-zu-Non-GAAP-Abstand | Positives Signal: SBC als % Umsatz sinkt, Reife wächst |
In einer echten Analyse
Rubrik/NOW handeln bei einem Forward P/E (non-GAAP) von ~36x. Der GAAP-Gewinn ist oft negativ oder deutlich niedriger, weil SBC allein 15–20% des Umsatzes ausmachen kann. Beim Investitionsfall lautet die implizite Wette: “SBC als % Umsatz sinkt graduell” – also nähert sich Non-GAAP schrittweise der wirtschaftlichen Realität. Ein Forward P/E (non-GAAP) von 36x bei 25–30% Revenue-CAGR entspricht einem PEG nahe 1x – auf Non-GAAP-Basis vertretbar, auf GAAP-Basis oft noch weit davon entfernt.
Fallstrick
SBC ist kein “nicht-cash-Kosten der Geschäftstätigkeit” – es ist echter ökonomischer Aufwand, denn es verwässert Aktionäre oder erfordert Rückkäufe auf deren Kosten. Non-GAAP-Multiples sehen günstiger aus, blenden aber diesen realen Kapitalabfluss aus. Gefährlich wird es, wenn ein Unternehmen den “bereinigten” Gewinnbegriff über die Jahre ausweitet, um immer mehr echte Kosten auszublenden – ohne dass der Markt die Drift bemerkt.
Merksatz
Non-GAAP zeigt, was das Management sehen will – GAAP zeigt, was die Aktionäre bezahlen.
→ Verwandte Begriffe: Stock-Based Compensation, E, Gross Margin