Das Bild im Kopf

Stell dir vor, du leihst jemandem Geld. Für einen Monat verlangst du kaum Zinsen — was kann schon passieren? Für 30 Jahre willst du deutlich mehr, weil du länger auf dein Geld verzichtest und mehr Risiko trägst. Diese Logik zeichnet eine Kurve: links die kurzen Laufzeiten mit niedrigen Zinsen, rechts die langen mit hohen. Das ist die normale Yield Curve — eine Treppe, die nach oben führt.

Was es misst

Die Yield Curve zeigt die aktuellen Renditen von Staatsanleihen gleicher Bonität über alle Laufzeiten hinweg — typischerweise von 3 Monaten bis 30 Jahren. Die beobachtetste Messgröße ist der 2s10s-Spread: Rendite der 10-jährigen minus Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihe. Eine positive Zahl bedeutet normale Kurve, eine negative bedeutet Inversion.

Was sagt mir die Zahl?

SignalBedeutung
Steil positiv (2s10s > 150 Bp)Markt erwartet Wachstum, Banken verdienen gut an Fristentransformation
Normal positiv (2s10s 50–150 Bp)Gesundes Umfeld, keine extremen Signale
Flach (2s10s 0–50 Bp)Übergang, Unsicherheit über künftige Zinsen und Wachstum
Invertiert (2s10s < 0)Historisch zuverlässiger Rezessionsindikator — jede US-Rezession seit 1955 war von Inversion begleitet

In einer echten Analyse

2022–2023 invertierte die US-Yield Curve auf bis zu –110 Basispunkte (tiefste Inversion seit 1981) — ausgelöst durch Fed-Zinserhöhungen, die kurzfristige Sätze auf über 5 % trieben, während der Markt langfristig sinkende Zinsen einpreiste. Regionalbanken wie Silicon Valley Bank litten direkt: Sie hatten langfristige Anleihen zu niedrigen Zinsen gehalten, während sie kurzfristig teuer refinanzieren mussten — Fristentransformation als Todesurteil bei invertierter Kurve.

Fallstrick

Inversion sagt wann, nicht wie schlimm. Der Lag zwischen Inversion und Rezession beträgt typischerweise 12–24 Monate — Investoren, die beim ersten Inversions-Signal verkaufen, verpassen oft noch ein Jahr Bullenmarkt. Außerdem kontrolliert die Fed nur das kurze Ende (Leitzins); das lange Ende ist Marktmeinung über Wachstum und Inflation. Eine Inversion kann also bedeuten: Rezessionsangst — oder schlicht, dass der Markt erwartet, die Fed werde bald die Zinsen senken.

Merksatz

Wenn Kurzfristiges mehr kostet als Langfristiges, traut der Markt der Zukunft nicht — und hat damit historisch meistens recht.

→ Verwandte Begriffe: HY-Spreads, PCE, Sahm-Regel